Auf dem Weg zur Lehrabschlussprüfung

 

Ab 11. Mai gilt es für Claudio Müller ernst: Für den angehenden Elektroinstallateur beginnt die Lehrabschlussprüfung. Damit geht seine vierjährige Lehrzeit bei Jost Elektro AG zu Ende. Und schon hat der junge Mann Weiterbildungspläne.

 

Claudio Müller ist angehender Elektroinstallateur bei der Jost Elektro AG von Susanne Wild

 

Drei Tage praktische Prüfung, eine Woche später die mündliche Prüfung, gefolgt von einer schriftlichen Prüfung Anfang Juni – eine happige Sache. Doch Prüfungsangst plagt Claudio Müller im Vorfeld nicht. Ruhig erzählt er. Allerdings ist er sich bewusst, dass er noch nie eine Prüfung absolviert habe, bei der es «um etwas ging» – ausgenommen die Fahrprüfung. Dieser Druck, erfolgreich sein zu müssen, um in die Zukunft weitergehen zu können, sei neu. Ein gesunder Respekt davor spricht aus seinen Worten.

 

Breite Berufspraxis in der Lehre

Bei Jost Elektro AG gilt er als «guter Lehrling». Schulisch stark, arbeitet er in der täglichen Praxis bereits selbständig. «Dafür habe ich dem Unternehmen zu danken», betont er letztere Tatsache. «Es ist nicht selbstverständlich, dass man schon im vierten Lehrjahr Aufträge selbständig ausführen darf und mit einem eigenen Auto unterwegs ist.» Dieses Vertrauen schenken ihm seine Vorgesetzten bei Jost AG bereits und lehren ihn dadurch, Verantwortung zu übernehmen. Eine Chance, die der angehende Elektroinstallateur gerne annimmt: «Aufträge alleine auszuführen, ist für mich sehr lehrreich», erklärt er dazu. «Diese Verantwortung nehme ich gerne wahr. Ausserdem kann ich jederzeit telefonisch nachfragen, wenn ich nicht weiterweiss.»

Im Vergleich mit Lehrlingen anderer Firmen stellt Claudio Müller fest, dass auch die Grösse des Unternehmens einen erheblichen Einfluss auf die Ausbildung hat. «Die Aufträge, die ich ausführen darf, decken ein breites Spektrum ab», erläutert er, «das heisst, die praktische Erfahrung im Beruf wird bereits im Lauf der Lehre sehr breit.»

 

Zur Vielfältigkeit der Ausbildung trägt auch das Rotationssystem im Unternehmen bei: Jedes Jahr wechseln die Lehrlinge die Abteilung, damit sie alle Tätigkeitsbereiche des Unternehmens kennenlernen und eine möglichst breite Arbeitspraxis geniessen. Damit wechselt auch jährlich der «Götti», der betreuende Monteur, der für den jeweiligen Lehrling zuständig und dessen Ansprechperson ist. So fördert Jost AG die Flexibilität der jungen Berufsleute und bietet ihnen gleichzeitig Beständigkeit und Betreuung.

 

«Benimm» wird auch geschult

Die Lehrlinge werden sorgfältig auf die Lehrabschlussprüfung vorbereitet. «Wir haben im Betrieb die Gelegenheit, während einer Woche das ganze LAP-Prozedere einmal durchzuspielen.» An drei Samstagen üben Vorgesetzte mit den Lehrlingen auf den mündlichen Prüfungsteil hin, fragen sie ab und weisen vor allem auch auf korrektes persönliches Auftreten hin. Höflichkeit, Anstand und Respekt im Umgang mit den Experten – und im Beruf mit den Kunden – hinterlassen einen guten Eindruck. Claudio Müller ist sich im Klaren: «Mit einem tadellosen persönlichen Auftreten ist schon viel gewonnen.»

 

 «So vorbereitet, dürfte mit dem praktischen Teil der LAP wenig Probleme haben, wer in der täglichen Arbeit aufgepasst hat», ist sich Claudio Müller sicher. Dennoch überlässt er nichts dem Zufall und hat den Lernstoff in Form eines Systems von Lernkärtchen stets bei sich. «Das ist super, so kann ich zum Beispiel rasch über Mittag kurz lernen, in der Pause oder im Bus auf dem Arbeitsweg, ohne dass ich irgendwelche Ordner mit mir herumschleppen muss.»

 

Nach der LAP die RS

Im Sommer rückt Claudio Müller in die Rekrutenschule ein. Danach wird er bei Jost Elektro AG weiter arbeiten und hofft, die Berufsmatur oder einen ähnlichen Weiterbildungsweg angehen zu können. Den Lernschwung nach der Lehre möchte er ausnützen zur berufsbegleitenden Weiterbildung.

 

Obwohl er keiner sei, der zu Hause elektronisch «herumtüftle», begleitet ihn sein Beruf bereits in den Alltag. Der Blick für die elektrischen Dinge des Lebens werde geschärft: «Früher kaufte ich ein Gerät weil es gut aussah. Jetzt sehe ich genau hin, wie es aufgebaut ist.»