«Dank Jost Elektro AG Brugg bin ich jemand»

von Susanne Wild

 

Simone Venneri hat im Juni die Lehre zum Montage-Elektriker EFZ im 1. Rang abgeschlossen. Er ist 33 Jahre alt und bald zweifacher Vater. Vor drei Jahren war der Italiener mit Frau und Töchterchen in die Schweiz (zurück-)ausgewandert. Mit nichts als einer Informatikergrund-ausbildung im beruflichen Gepäck bekam er bei Jost Elektro AG Brugg seine grosse Chance.

 

Simone Venneri hat die Lehre zum Montage-Elektriker EFZ erfolgreich abgeschlossen

 

5,1 war Simone Venneris Notendurchschnitt an der Lehrabschlussprüfung. «Ich wollte besser abschneiden», sagt er und lässt leichten Ärger erkennen – schliesslich habe er in der Schule stets Fünfeinhalber und Sechser erzielt. Doch Erleichterung und Freude überwiegen – und vor allem grosse Dankbarkeit. «Ich weiss, wie es ist, keine Ausbildung zu haben. Ich weiss, wer du bist, wenn du nichts hast», erklärt er seinen Antrieb. Die Möglichkeit, hier eine Lehre zu absolvieren, hat sein Leben verändert: «Dank Jost Elektro AG Brugg bin ich jemand. Ich werde dem Unternehmen und den Menschen, die mir das ermöglicht haben, immer dankbar bleiben.»

 

Keine Perspektiven in Italien

Simone Venneri wuchs in der Schweiz auf (siehe Beitrag über ihn vom 26. Februar 2016). Als sein Vater in seinem Heimatland Italien eine gute Stelle fand, zog die Familie nach Italien. Dort absolvierte Simone Venneri später eine Informatikerausbildung. «Doch das war nur Schule», gibt er zu bedenken, «keine praktische Ausbildung.» In der Branche fand er keine Stelle und arbeitete stattdessen in einer Schuhfabrik, um sich finanziell über Wasser halten zu können. Die Erkenntnis daraus war ernüchternd: «In Italien bekommt man nichts zurück, wenn man sich auch noch so anstrengt.» 

 

Er heiratete, wurde glücklicher Vater eines Töchterchens. Doch welche Perspektiven würde die Tochter in Italien haben? Venneri und seine Frau wollten ihr mehr und bessere Ausbildungsmöglichkeiten bieten und entschieden sich, in die Schweiz zu ziehen. Im März 2015 liess sich die Familie in der Schweiz nieder, im August konnte Simone Venneri bereits seine Lehre beginnen. Rasch bemerkte er einen grossen Unterschied: «Wer sich hier engagiert, bekommt etwas zurück», bringt er es auf den Punkt. «In Italien sagt man, ein Zug komme zweimal. Beim ersten Mal mag er vorbeifahren, oder du verpasst ihn, doch beim zweiten Mal musst du einsteigen.» 

 

Montage-Elektriker mit Flair für Telematik

Bereits nach eineinhalb Jahren wurde ihm ein Wechsel in die Telematik-Abteilung angeboten: Seine Geschicklichkeit und sein Informatikwissen überzeugten die Vorgesetzten. Zusätzlich zur Ausbildung zum Montage-Elektriker besuchte er nun Kurse und Weiterbildungen der Mediamatiker, um zum Beispiel Telefonanlagen installieren zu können. Für ihn war klar, dass er die Lehre zum Montage-Elektriker dennoch unbedingt mit sehr gutem Ergebnis abschliessen wollte. «Ab 7 Uhr arbeiten im Bereich Telematik, ab 17 Uhr lernen und üben im Bereich Montageelektrik» war also sein Tagesplan. «Zum Glück kann ich gut ‹umschalten› und mich sofort und ganz auf die jeweilige Tätigkeit konzentrieren», stellt er fest. 

 

Gegen Ende der Lehrzeit nutzte er sämtliche Lernangebote, die die Firma ihren Lernenden macht: An den Lernsamstagen übte und lernte er von 7 bis 15 Uhr, löste LAP-Aufgaben, stellte Fragen und übte vor der Abschlussprüfung eine Woche lang konzentriert im Ausbildungszentrum der Jost Elektro AG in Brugg. Der Umgang mit den jüngeren Lernenden? «Kein Problem», sagt er ohne zu zögern. Natürlich hätten die jüngeren immer «an Spass gedacht». «Aber wenn Du älter wirst, weisst du, wie es geht. Und wenn du auf eine zweite Chance hoffst und sie kommt – dann packst du sie!»

 

Woche für Woche setzte er sich Lernziele, die er eisern verfolgte. Zudem war seine Frau mit dem zweiten Kind schwanger. «Arbeiten, lernen, mit der Tochter spielen, auf die schwangere Frau aufpassen – die letzten drei bis vier Monate war schon etwas stressig», gibt er zu. Doch alles gelang. Stolz? Er überlegt: «Ein bisschen schon. Aber meine Frau war stolzer.» In einem Jahr möchte er seine Ausbildung vorantreiben im Bereich Telematik.